Thyra Thorn
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die Befriedung der Heimatfront


Zur Geschichte des deutschen Hausfrauenbundes und der gesellschaftlichen Position der Frau als Hausfrau
und Bewahrerin des arischen "Erbstromes."

Bei der historisch-soziologischen Betrachtung der "Hausfrau" muss immer ein besonderes Augenmerk unserer jüngsten Vergangenheit, der Zeit des Nationalsozialismus gelten. Warum?

Vergleichen wir die Entwicklung der weiblichen Emanzipation in Amerika und in Deutschland, so erscheint uns in vielem die amerikanische Frau selbstbewusster und beruflich erfolgreicher, emanzipierter eben. Wir nehmen aber auch als sicher an, dass sie weniger mütterlich ist als wir und auch ihre hausfraulichen Fähigkeiten schätzen wir geringer ein.

Woher kommt die unterschiedliche Selbsteinschätzung der Frauen?

Beide Gesellschaften sind christlich geprägt, "westlich zivilisiert" und kapitalistisch. Doch wir finden einen augenscheinlichen Unterschied in der Entwicklung der Emanzipation in der Zeit von 1933 -1945. In dieser Periode wurde die deutsche Selbstbefreiung der Frau jäh unterbrochen - uns fehlen sozusagen zwölf Jahre - während in den Vereinigten Staaten weiter Fortschritte gemacht wurden.

Dabei hatte die Frauenbewegung in Deutschland bereits erste Früchte getragen: 1918 hatten 41 Frauen ein Reichstagsmandat, das waren immerhin 9,6% der Abgeordneten. Außerdem gab es eine Vielzahl an akademisch ausgebildeten Frauen, wie Professorinnen und Juristinnen, etc. Eine große Zahl sozialdemokratischer, kommunistischer oder so genannter "radikalfeministischer" Frauengruppen, traten mutig und konsequent für die Rechte der Frauen ein.

Doch dies´ alles wurde durch den Nationalsozialismus zunichte gemacht. Die Frauen verschwanden aus den Universitäten und politischen Gremien. Die Arbeit der Frauengruppen wurde verboten, deren Mitglieder konnten sich zum Teil noch gerade rechtzeitig ins Ausland absetzen, die Unglücklicheren wurden inhaftiert. Die bürgerlichen und kirchlich- karitativen Frauengruppen wurden "gleich geschaltet", bzw. ließen sich gleichschalten und wurden in das deutsche "Frauenwerk" integriert. In der Zeit des Nationalsozialismus wurde zum einen die politische Struktur der Frauenbewegung zerstört, zum anderen wurde direkt und offen Gewalt ausgeübt. Aber die Zerstörung der politischen Kultur der Emanzipation ging noch viel tiefer. Sie zerstörte die Vorbilder, denen junge Frauen nacheifern konnten. Es gab die gebildeten Professorinnen, Wissenschaftlerinnen und Juristinnen nicht mehr, sondern in den Köpfen und im Unterbewussten der jungen Menschen wurde das typische Mutter- und Hausfrauenbild der NS-Zeit installiert.

Das ist gar nicht so lange her - es sind schließlich unsere Mütter und Großmütter, denen in der Kindheit und Jugend das Bild der ordentlichen, sauberen und opferbereiten Mutter und Hausfrau eingehämmert wurde. Das wirkte noch lange Zeit nach. Und wie tief sollte in den 60/70ger Jahren des 20. Jahrhunderts der kulturelle Graben zwischen ihnen und ihren "Flower-Power-Töchtern" werden…….

Die Rassenideologie des Nationalsozialismus -
Religionsersatz für's Muttertier

Wir können die gesellschaftliche Bedeutung der Mutter und Hausfrau in Dritten Reich nicht verstehen, ohne uns näher mit der NS-Rassenideologie auseinander zu setzen. Der Glaube an die Höherwertigkeit der nordischen Rasse und die daraus resultierenden Gebietsansprüche bestimmen sozusagen den ideologischen Überbau des Dritten Reiches. Ganz grundsätzlich betrachtet sich jedes Volk, das Krieg führen will, selbst als Menschen und das gegnerische Volk als "Nicht-Menschen". Es klingt zynisch, aber es fällt eben leichter, "Nicht-Menschen" zu töten. So auch die Nationalsozialisten.

Das Besondere an der Nationalsozialistischen Kriegshetze aber war der pseudowissenschaftliche Anstrich, die "wissenschaftliche" Untermauerung der ungeheuren Anmaßung, über den Wert anderen menschlichen Lebens befinden zu dürfen. Die Rassenideologie der Nazis war der damals gängigen Form des Sozialdarwinismus verhaftet, man drückte sich gern in pseudowissenschaftlichen Termini aus. Es war eine sehr biologistische Weltsicht, der Begriff der Rasse war zentral.

Wie war der Begriff Rasse "wissenschaftlich" definiert?

Zunächst einmal war die Rasse (gemeint ist hier die nordische Rasse) eine durch Abstammungslinien und Blutsverwandtschaft definierte Gruppe, der Zusammenschluss arischer Sippen. Es schwangen bei diesem Begriff aber höchst emotionale (und sehr unwissenschaftliche!) Untertöne mit. Da war die Rede von der "Reinigung und Reinerhaltung des Erbstrom arischen Blutes", von der Schaffung eines reinen "Genpools", aus dem - ein Heilsversprechen! - die paradiesische Zukunft dereinst erwachsen würde. Diese für uns moderne Menschen schwer nachvollziehbare geistige Utopie erhob sich aus dem schlammigen Grund der damaligen Form des Sozialdarwinismus.

Zur Erinnerung: Ein damaliger Sozialdarwinist argumentierte im Brustton der Überzeugung, dass es sich im Lauf der Evolution schließlich herauskristallisiert hätte, dass nur die Starken (und nicht etwa die Individuen, die sich optimal an ihre Umgebung anpassen können) überlebten. Vor allem wäre eben die nordische Rasse stark und wertvoll genug, aus dem Überlebenskampf als alleiniger Sieger hervor zu gehen: Damit rechtfertigte er jede Maßnahme, die in seinen Augen "schwächeres" Leben ausschaltete, von der Eugenik, der Zwangssterilisation bis hin zum Genozid, galt es doch , dem nordischen "Genpool" zu seiner Vormachtstellung zu verhelfen.

Ein anderer Aspekt der damals rezipierten Evolutionstheorie war die aus der Zoologe übernommene Theorie der Gruppenselektion. Diese besagte, dass alles individuelle Handeln des Tieres letztlich der Erhaltung der Art diene. Daraus schien logischer weise zu folgen, "dass die Funktion der Fortpflanzung darin besteht, die Art zu erhalten" und nicht etwa, - wie wir heute sagen würden- das individuelle Erbgut weiter zu geben. Auch die bei Tieren beobachtete elterliche Fürsorge, deren Opferbereitschaft sogar das Gefährden des eigenen Lebens mit einschloss, wurde dahingehend interpretiert, dass es den Eltern um die Erhaltung der Art ginge und nicht um ihre Kinder.

Was sich so "unzweifelhaft" im Tierreich und in der Natur zu zeigen schien, wurde in vielen Gesellschaften auf den Menschen übertragen. Jede Nation erwartete von ihren Soldaten, dass sie sich für die "Erhaltung ihrer Art" aufopfern sollen, "als Individuen ihr Leben lassen für den größeren Ruhm ihres Landes".

Der Nationalsozialismus formulierte es so: "Du bist nichts, dein Volk ist alles", oder wie in den zehn Regeln zur Gattenwahl: "Dein Leben ist nur eine vorübergehende Erscheinung; Sippe und Volk bestehen fort. Geistiges und körperliches Erbe feiert in den Kindern Auferstehung.". Den Heldentod starb der Soldat, "um seine Art zu erhalten". Auch in der Heimat wurde um die "Erhaltung der Art" gekämpft, Hitler fürchtete alle Ernstes, das deutsche Volk in seiner rassischen Reinheit sei vom Aussterben bedroht, wenn nicht sofort energische Maßnahmen die Zuchtwahl regelten und die Gebärfreudigkeit der "erbgesunden" Mütter steigerten. Zur Gattenwahl heißt es weiter: Wähle deinen Gatten sorgfältig, denn "Es gibt nichts Kostbareres auf der Welt, als die Keime edlen Blutes. - Verdorbene Keimmasse kann keine Heilkunst in gute verwandeln."

Die Wahl des Ausdruckes "verdorbene Keimmasse" ist bezeichnend. - Klarer kann man gar nicht ausdrücken, wie wenig Persönlichkeit und Würde des Individuums im Nationalsozialismus zählten, nur als Träger der Keimmasse hatte der Einzelne Bedeutung für seine Rasse. Das Attribut "verdorben" erinnert uns an verdorbene Lebensmittel, die wir wegwerfen müssen. Nichts Menschliches, kein Rest von Würde bleibt einem so genannten Träger "verdorbener Keimmasse".

Diese pseudowissenschaftlichen Theorien verbrämte der Nationalsozialismus mit einer schwülstigen, die Menschen regelrecht verdummenden Sprache. Und besonders unerträglich wird die NS-Propagandasprache, in der es von großen Worten, wie "Tiefe, Seele, Urbegriff, Heiligtum, Liebe, Opfer" nur so wimmelt, wenn die für die Rasse notwendigen Gebärfunktionen der Frau mythisch überhöht werden sollte. Da stand "die deutsche Mutter ..als eine hehre Lichtgestalt.." war der "Urgrund aller Deutschheit" war "Burg und Wall des Volkes". "Die Mutter wurde zum heiligsten Glück der Erde", der Name "Mutter ist uns stets heilig .. gewesen", und "Dein Name Mutter ist durch alle Zeiten rein geblieben wie der Name Gottes selbst, und zu Dir führen alle unsere Wege zurück."

Auffallend ist dabei, wie hier christliches Vokabular verwendet wurde, wie die Mutter zum gottgleichen Wesen gemacht wurde, vergleichbar der Mutter Maria. So auch in einem Gedicht von Will Reeg:

"So laß uns still
den Namen "Mutter" beten,
in tiefer Andacht…
und mit treuem Sinn.
Es gibt der Klang des Namens
Trost und Kraft in Nöten.
Hab' Dank, oh Mutter,
dass dein Kind ich bin."

Diese Art von Propaganda sollte nur dazu dienen, die "Geburtenfreudigkeit der Erbgesunden zu heben."

Ab 1934 wurde daher von der NSDAP offiziell Muttertag gefeiert. Dem Muttertag eine germanische Vergangenheit andichtend, die dieser gar nicht hat, hieß es in einer Ansprache zum Muttertag 1934: "Siehst du, Mutter, was wir heute feiern, ist deutsche Art, ist deutsches Empfinden! Immer wird die Mutter von Germanen geschätzt und geehrt. Nicht jedes Volk gab ihr Recht. Aber der Deutsche las es aus den Gesetzen der Natur ab, dass die Mutter des Volkes Höchstes und Wichtigstes sei. Und wenn der Germane das Frühlingsfest beging,(…) da wanden der brave Sohn und die brave Tochter ein Blütenkränzlein für ihre liebe, gute Mutter. Und was sich vor Jahrtausenden im Herzen des germanischen Volkes eingenistet hat, ist Tradition geworden! So feiern auch wir heute den Muttertag."

Neben den Muttertagsfeiern gab es bald auch die Mutterehrungsfeiern, an denen die Mutterkreuze (Bronze für vier bis fünf Kinder, Silber für sechs bis sieben Kinder, Gold ab acht Kindern) verliehen wurden. Das Mutterkreuz sollte ein Orden sein, der Gebärleistungen wie Kriegsleistungen honorierte. Der Reichsärzteführer Wagner formulierte es so: "Die deutsche Mutter soll den gleichen Ehrenplatz in der deutschen Volksgemeinschaft erhalten wie der Frontsoldat, denn ihr Einsatz von Leib und Leben für Volk und Vaterland war der gleiche wie der des Frontsoldaten im Donner der Schlachten." Unbeeindruckt von allem Propagandaschwulst reduzierten viele Deutsche das Mutterkreuz auf das, was in ihren Augen die Nationalsozialisten wirklich damit meinten, auf eine Prämie für´s Kinderkriegen, einen "Kaninchenorden". Und viele der mit dem Mutterkreuz Geehrten fühlten sich eher als "Preiskühe". Viele glaubten auch nicht an die glorreiche Zukunft der deutschen Rasse, sondern verdächtigten (zu Recht!) das Regime, es brauche ja nur "Kanonenfutter."

Eine Flüsterwitz aus jener Zeit: "An einem Nationalfeiertag ist ein Haus nicht beflaggt. Man findet an der Haustür ein Schild:

"Wi flaggt nicht innen, Wi flaggt nicht buten
Wi legt in´ Bett und mokt Rekruten"

Bloß laut durften solche Witze nicht gerissen werden, denn noch im August 1943 war eine Stenotypistin vom Sondergericht zu zwei Jahren Gefängnis verurteilt worden, weil sie einen ähnlichen Witz erzählt hatte - eine Kollegin wird sie wohl denunziert haben.

Mit dem nationalsozialistischen Mutterbild war untrennbar auch das Bild der treu sorgenden Mutter am heimischen Herd - der Hausfrau - verbunden. Die Propaganda der Nationalsozialisten war genau auf die Bevölkerungsschicht zugeschnitten, die sich eine -ausschließlich zu Hause arbeitenden - Frau auch leisten konnte. Die Zielgruppe der Propaganda: Bürgerliche und kleinbürgerliche Schichten -das Heimchen am Herd.

Die ehemalige KZ-Inhaftierte Lina Haag meint dazu: "Wir finden die Tatsache, dass sich Hitler´s Kreaturen nicht aus dem asozialen, sondern aus dem kleinbürgerlichen Elementen des Volkes rekrutieren, schauderhaft und beunruhigend. Es sind also keine geborenen Sadisten, keine professionellen Verbrecher, keine passionierten Mörder, sondern Spießbürger". Es waren wirklich vor allem die bürgerlichen Schichten, Männer und Frauen gleichermaßen, die der NSDAP zur Macht verhalfen. Ihnen erschien das als traditionell empfundene nationalsozialistische Idealbild der Familie besonders verlockend.

Und in der Tat ist die Trennung der Welt in die harte Außenwelt des Mannes und die harmonisch- liebevolle innerhäusliche Sphäre der Frau eine bürgerliche Erfindung des 19. Jahrhunderts. Schon zur Zeit der industriellen Revolution meinte man, dem vom modernen Arbeitskampf erschöpften Mann eine "Gegenwelt" von häuslicher Liebe und weiblicher Opfer- und Pflegebereitschaft bieten zu müssen. (eine Vorstellung, die nur in bürgerlichen Schichten gedeihen konnte- eine Arbeiterfrau hatte nicht die geringste Chance, zu Hause zu bleiben oder auch nur annähernd den Bedürfnissen ihrer Kinder zu entsprechen) Eine perverse Steigerung der bürgerlichen Zweiteilung der Welt findet sich in dem Nebeneinander, bzw. funktionalem Miteinander der verbrecherischen KZ-Vernichtungsmaschinerie und der häuslichen Idylle der Täter.

Leider hatte sich das Weltbild des 19. Jahrhunderts, die Teilung der Welt in männlich und weiblich und damit assoziiert: in kämpfend und dienend- tief in die Köpfe der bürgerlichen Frauen eingegraben. Es gab zwar in den bürgerlichen Kreisen auch eine Art Frauenbewegung, aber sie war hauptsächlich kirchlichen und/oder karitativen Idealen verpflichtet. Von der Politik hielt man sich fern. Es waren 1918 die sozialdemokratischen, kommunistischen oder so genannten "radikalfeministischen" Frauengruppen gewesen, die das passive und aktive Wahlrecht für die Frauen erkämpft hatten! Die bürgerlichen und kirchlichen Frauengruppen, darunter natürlich auch der Reichsverband deutscher Hausfrauenvereine, empfanden sogar das passive Wahlrecht als unpassende "Gleichmacherei".

Mit anderen Worten, der Prozess der weiblichen Emanzipation von den beschriebenen bürgerlichen Idealen war nicht sehr weit fortgeschritten, die Frauenbewegung selbst war gespalten. Die selbstbewusst- frivole, gebildete Frau mit Bubikopf der 20ger Jahre war auch für bürgerliche Frauen ein Schreckensbild.

Absurd erscheint uns heute, in welcher Art der Nationalsozialismus die Angst vor den Emanzen ausnützte. Der nationalsozialistische Ideologe Gottfried Feder macht auch dafür die Juden verantwortlich: " Der Jude hat uns die Frau gestohlen durch die Form der Geschlechtsdemokratie. Wir Jungen müssen ausziehen und den Lindwurm töten, damit wir wieder zum Heiligsten kommen, das es auf der Welt gibt; zur Frau, die Magd und Diener ist".

Der Krieg - die Hausfrau als Soldatin an der Heimatfront

Die Frau als "Magd und Diener", oder mit anderen Worten als Hausfrau, hatte im Zuge der Kriegsvorbereitungen eine wichtige strategische Bedeutung.

Schon seit dem Parteiprogramm der NSDAP von 1920, bzw. spätestens seit der Veröffentlichung von Hitler´s "Mein Kampf" 1925 war offensichtlich, das Hitler auf einen ernuten Krieg hin steuerte. Nationalsozialistische Strategen wussten aus dem ersten Weltkrieg, wie wichtig zur Erhaltung der (Kriegs)Moral die ausreichende Versorgung der Zivilbevölkerung war. Sie wussten, dass die Soldaten an der Front um so williger kämpfen würden, je besser versorgt und behütet sie ihre Familien zu Hause wussten. Keinesfalls durfte es- wie zu Ende des ersten Weltkrieges - wieder zu Hungerprotesten der Zivilbevölkerung kommen. Die NSDAP nannte daher als ein strategisches Ziel die "Befriedung der Heimatfront". Zum einen definierte sie darauf hin den "Reichsnährstand", um die Eigenversorgung Deutschlands mit Nahrung sicher zu stellen. Die Bauern wurden organisiert und zur "Erzeugungsschlacht" aufgerufen.

Zum anderen wurden die Hausfrauen organisiert (und damit natürlich auch überwacht!), um sie planmäßig zu sparsamem und effektivem Hauswirtschaften zu erziehen. Die Hausfrauen mussten die "Erhaltungsschlacht" kämpfen, d.h. mit dem kriegsbedingten Mangel umgehen können, ohne von den nationalsozialistischen Idealen ab zu fallen. Die NS Propaganda formulierte es so: "Hausarbeit ist kriegswichtig." Wie der Soldat an der Front, so sollte sie Hausfrau an der Heimatfront kämpfen und arbeiten.

Wenn wir das Bild der Frau im Nationalsozialismus charakterisieren, dann setzt es sich zusammen aus dem gebärfreudigen Muttertier, dem Heimchen am Herd und der opferbereiten Soldatin an der Heimatfront. In Wahrheit stand die Frauenverachtung Hitler´s und führender Nationalsozialisten dahinter. Hitler selbst meinte wortwörtlich:" Sehr intelligente Menschen sollen sich eine primitive und dumme Frau nehmen. Sehen Sie, wenn ich nun eine Frau hätte, die mir in meine Arbeit hineinredet. In meiner freien Zeit will ich meine Ruh´ haben." Der seit 1915 bestehende Reichsverband deutscher Hausfrauen sah das Frauenverachtende hinter der NS-Propaganda nicht. Im Gegenteil- in der Machtergreifung der NSDAP sah er seine große Chance!

Die Hausfrauenverbände im Dritten Reich - Versuch einer (politischen) Selbstbehauptung - der Reichsverband deutscher Hausfrauen

Der Reichsverband deutscher Hausfrauen begrüßte freudig die Machtergreifung. Da sich deren Mitglieder selbst für die "Verkörperung des Idealbildes der Frau" hielten, bauten sie darauf, dass ihnen das Dritte Reich besondere Privilegien bescheren würde.

Früh dienerte sich daher der Reichsverband deutscher Hausfrauen (kurz RDH) dem neuen Regime an: Noch ehe in den offiziellen NS-Frauenzeitschriften von den Sterilisationsprogrammen überhaupt die Rede war, wurden in dem Verbandsblatt des RDH: "Deutsche Hausfrau" schon die Leserinnen aufgefordert, sich dem "bevölkerungspolitischen Feldzug für die Sterilisation aller fortpflanzungsunwerten Personen anzuschließen." Und obwohl dem RDH viele Jahre lang hunderte jüdische Frauen die Treue gehalten hatten und einige sogar Führungspositionen inne hatten, zögerte schon 1933 der Hausfrauenverband keine Sekunde, als es galt, Jüdinnen auszuschließen oder raus zu ekeln.

Dafür wünschten sch die Hausfrauen einige Privilegien: Sie hofften darauf, dass Hitler die Hausfrauen als einen Berufsstand anerkennen würde, verbunden mit den üblichen Privilegien wie Renten-, Kranken- und Arbeitslosenversicherung, Urlaubsanspruch, etc. Eine eigenständige Berufsvertretung hätte auch Einfluss und politisches Gewicht im NS-Staat bedeuten sollen. Damit verbunden wollten sie ihre Vormachtsstellung im Haushalte als "Herrscherin" über möglichst viel Dienstboten gestärkt wissen. - Doch nichts davon wurde ihnen gewährt.

Diese hysterischen Weiber ...Es waren stattdessen ihre Dienstboten, die 1934 in die deutsche Arbeitsfront eingegliedert wurden und als eigenständiger Berufsstand nun Anspruch auf Renten-. Kranken- und Arbeitslosenversicherung hatten. Auch in politischer Hinsicht sollte ihnen die erhoffte Schlüsselstellung im nationalsozialistischen Machtgefüge verwehrt bleiben. Generell waren Hitler nämlich politisch aktive Frauen - sogar wenn sie sich für seine Partei einsetzen - ein Gräuel. Noch 1933 betrachtete der Führer die aktiven NS-Frauen als "hysterische Weiber in braunen Kartoffelsäcken."

Der RDH verlor 1933 seine politische Eigenständigkeit und wurde, wie fast alle bis dahin selbstständigen Frauengruppen, in das deutsche Frauenwerk eingegliedert. Nur einigen Mitgliedern des RDH sollte es gelingen, in führende Positionen innerhalb des deutschen Frauenwerks auf zu steigen.

Deutsches Frauenwerk und NS-Frauenschaft

1939 umfasste das deutsche Frauenwerk 12 Mio Frauen, deren Eliteorganisation, die NS-Frauenschaft 2,291 Mio. Offiziell wurden beide Organisationen ab 1934 von einer Frau, von Gertrud Scholtz-Klink geleitet. In Wirklichkeit aber waren alle Leiterinnen dieser Organisationen den männlichen Vorgesetzten der NSDAP unterstellt. Das ging so weit, dass sämtliche Gelder von Männern verwaltet wurden, Männer die Rednerinnen für die vielen Schulungen aussuchten und in allen Entscheidungen das letzte Wort hatten. Das Frauenwerk war straff und gut organisiert: 12 Mio Frauen wurden von "32 Gaufrauenschaftsleiterinnen, 725 Kreisfrauenschaftsleiterinnen, 22593 Ortsfrauenschaftsleiterinnen, 59802 Zellenfrauenschaftsleiterinnen und 223 024 Blockfrauenschaftsleiterinnen " bevor- mundet, überwacht und geschurrigelt.

Die wichtigste Abteilung im deutschen Frauenwerk war die Abteilung Volkswirtschaft-Hauswirtschaft unter der Leitung von Else Vorwerck.

Die Abteilung Volkswirtschaft-Hauswirtschaft

Diese Abteilung war in mehrere Bereiche geteilt: Volkswirtschaftliche Aufklärung, Ernährung, Kleidung, Wohnung, hauswirtschaftliche Ausbildung, Hauswirtschaftliches Schul- und Beratungswesen, Siedlerfrauenberatung, Hauswirtschaftliche Forschungs- und Versuchsarbeit. Auf einige sei im Folgenden eingegangen.

Zur volkswirtschaftlichen Aufklärung: Es galt, die Hausfrauen an den Umgang mit Mangel und fehlenden Nahrungsmitteln zu gewöhnen. Durch die nationalsozialistische Beschränkung auf innerdeutsche Waren fehlten im Winter plötzlich Südfrüchte und frisches Gemüse, stattdessen gab es schrumpelige Äpfel aus dem eigen Garten und Sauerkraut aus dem Fass. Die Frauen mussten wieder lernen, wie Nahrungsmittel haltbar gemacht werden und wie an allen Ecken und Enden eingespart werden konnte.

In einem Rundschreiben von Else Vorwerck hieß es am 15.4.1936: "Was bedeutet die Tatsache einer auf den Jahresdurchschnitt berechneten genügend großen Gesamtproduktion von Eiern, wenn die Hausfrau - durch unsachgemäßes Einlegen von Eiern in der Zeit der Eierschwemme - die verdorbenen Eier hinterher fortwerfen muß und damit in der Zeit der Eierknappheit zu einer überhöhten Nachrage nach ausländischen Eiern Anlaß gibt?" Darum ging es schon 1936 - um die Unabhängigkeit vom Ausland, vom künftigen Feind!

Im Laufe des Krieges machte sich die Blockade der Westmächte immer bemerkbarer - es fehlte an Obst, Gemüse, Wild, Geflügel und Fisch. Immer abenteuerlicher wurden die Rezeptvorschläge, um dennoch ein einigermaßen schmackhaftes, bzw. überhaupt ein Essen auf den Tisch bringen zu können. So z.B. eine Braunbiersuppe: "ein Gemisch von Bier, einem Viertel Liter Milch, einer Prise Zucker und einer Prise Salz." Oder ein Rezept für Eichelbrot: "Herstellung des Eichelmehls: Die Eicheln werden enthülst. Durch Überbrühen mit kochendem Wasser und nachfolgendem Halbieren lassen sich die Schalen leichter entfernen. Die halbierten Kerne werden nochmals durchgeschnitten und über Nacht in kaltem Wasser eingeweicht (dreimal erneuern!), im warmen Zimmer gut getrocknet und dann dreimal durch die Kaffeemühle gerieben…(Back)vorschrift: 250 g Eichenmehl, 250 g Schwarzmehl, 12-20 g Hefe, Salz, evtl. Kümmel, Wasser." Das Ei wurde durch das "Milei" ersetzt (hauptsächlich Milcheiweiß), "De-Pu-Me" hieß ein Pudding- und Suppenpulver, das aus Kartoffelstärke gewonnen wurde. Zum Waschen von Wollsachen sollte Kartoffelschalenwasser und für sonstige Wäsche ein Aufguss von Efeublättern verwendet werden. Das Nonplusultra der Waschmittel waren Aufgüsse aus geriebenen Kastanien, wobei der Hausfrau nahegelegt wurde, auch die Schale mitzureiben.

Zur hauswirtschaftlichen Ausbildung:

Das Ziel nationalsozialistischer weiblicher Erziehung war unverrückbar die kommende Hausfrau und Mutter. Das bedeutete, dass an den Volksschulen der naturkundliche und mathematische Unterricht für Mädchen reduziert wurde, zugunsten von Handarbeit und Handwerk. An den Oberschulen wurde das so genannte "Puddingabitur" eingeführt, d.h. weniger Mathematik und Sprachen, dafür mehr Hauswirtschaft, Handarbeit, Pflege und Beschäftigungslehre für Mädchen. Das "hauswirtschaftliche Abitur" lenkte die Schülerinnen auf die traditionellen Frauenberufe und verwehrte ihnen ein Universitätsstudium.

Zwischen Schule und Beruf musste das Haushaltsjahr geleistet werden. Wenn ein junges Mädchen danach nicht sofort heiratete, sondern einen Beruf ergreifen wollte, so sollte es sich vorrangig entweder zur "Hauswirtschaftsleiterin" oder "Meisterhausfrau" ausbilden lassen. Die Verleihung diese Diploms, bzw. Titels sollte dokumentieren, dass "Hausarbeit eine hoch qualifizierte Arbeit" war. Viele begabte Mädchen wurden so in das Gebiet der Hauswirtschaftsberufe abgedrängt, zumal 1933 der Anteil weiblicher Studierender an Universitäten per Gesetz auf 10% eingeschränkt wurde.

Trotz aller NS-Propaganda galten die Berufsabschlüsse und Titel in der "Männerwelt" wenig. So stolz auch eine "Meisterhausfrau" auf ihren Titel war, die NSDAP verweigerte ihr die gesellschaftliche Anerkennung. Während der ganzen Zeit des Nationalsozialismus wurde Hausarbeit nicht offiziell als Beruf anerkannt.

Allenfalls in ihrer häuslichen Domäne hatte die Meisterhausfrau etwas zu sagen und konnte das kleine bisschen Macht, das ihr zugestanden wurde, missbrauchen: Ein Fall aus den Hamburger Archiven: "Als das Pflichtjahr-Mädel der "Meisterhausfrau" - eifriges Mitglied der NSDAP- wegen Prügel, Hunger und Kälte davonlief und zu ihrer Mutter zurückkehrte, wurde es von der Meisterhausfrau angezeigt, von der Polizei verhaftet, in ein Heim für gefallene Mädchen eingeliefert und misshandelt."

Noch ein anderes Feld bot sich den hausfraulichen Sehnsüchten nach Macht und Anerkennung: die Siedlerberatung in den besetzten Gebieten Osteuropas. Und so zogen die Hauswirtschaftsberaterinnen im Bewusstsein ihrer eigenen Wichtigkeit und von Abenteuerlust getrieben nach Osten.

Zur Siedlerfrauenberatung:

Gerade in Polen, wo zuvor viele Juden lebten, war es zu massiven Vertreibungen gekommen und zur Vernichtung eines großen Teiles der einheimischen Bevölkerung. An ihrer Stelle wurden "Deutschstämmige" aus dem "Altreich" und den baltischen und europäischen Staaten angesiedelt. Diese Siedler galt es zu beraten und zu unterstützen. 1941 waren in den Ostgebieten schon 35 Siedlerfrauenberatungsstellen aufgebaut worden, mit besonderem Schwerpunkt in Danzig/Westpreußen. Hauswirtschafts- und Landwirtschaftsberaterinnen wollten den Umsiedlern eine neue "Heimat schaffen im wahrsten Sinne des Wortes…(und) dieses Gebiet für unser Volk und für die deutsche Kultur.. erobern." Die Beraterinnen sahen sich selbst als "Kulturbringer" endlich anerkannt, als "Meisterinnen des Alltags" und fühlten sich notwendig und unverzichtbar.

Angesichts der so genannten "polnischen Wirtschaft" gewann ihr Selbstbewusstsein weitere Nahrung. Gemessen an den vorgefundenen Zuständen erschien die eigene Leistung umso wertvoller. Die "polnische Wirtschaft" beschreibt eine Zeitzeugin: "Als wir hierher kamen, wären wir am liebsten gleich wieder umgekehrt. Den Dreck der Polen, die vor uns hier wohnten, mussten wir mit der Spitzhacke vom Boden reißen. Aber Puder und Schminke, eine Menge Hüte und seidene Strümpfe haben wir in jeder Schublade gefunden. Was wir hier geschrubbt haben, kann sich keiner vorstellen…" Die Siedler glaubten sich in ihrer Empörung gerechtfertigt, gab es doch den behördlichen Erlass an die von ihrem Hof zu Vertreibenden, vorher noch ihr Heim gründlich zu reinigen. Sie hätten es so zu sagen "besenrein" übergeben sollen. Kein Wort wurde darüber verloren, dass den polnischen Familien - hungrig und bis zum letzten ausgebeutet - mit den Höfen ihre letzte Lebensgrundlage genommen wurde.

Melitta Maschmann, BDM (Bund deutscher Mädchen) Führerin und Redakteurin erkannte erst im Nachhinein das Ausmaß des begangenen Unrechtes: "An diesem Tag begegnete ich dem Bösen in mir, ohne es zu erkennen …Böse war die innere Kälte, mit der ich mich unter diesen Unglücklichen bewegte. Ich sah ihre Angst und Not wie in einem Film; nirgends berührte sie mich selbst…Und als ich die Leute dann antrieb - stoßend, zerrend und mit dem Knüppel drohend - (was für ein Anblick mag das gewesen sein…!) da erfüllte mich ein kaltes, fast rauschhaftes Gefühl der Überlegenheit."

Zur Behandlung der osteuropäischen Haushaltsgehilfinnen:

Ein ähnliches Gefühl der Überlegenheit, das menschliches Mitfühlen und Gerechtigkeitssinn verdrängte, empfanden einige Hausfrauen offenbar auch gegenüber den zugeteilten Haushaltsgehilfinnen.

Die polnischen Mädchen und Frauen waren nicht freiwillig gekommen, sondern wurden zwangsrekrutiert, zum Teil auf Straßen, Spielplätzen, in Schulen und bei der Landarbeit aufgegriffen und direkt abtransportiert. Auf Verweigerung standen härteste Strafen - Gefängnis, Konzentrationslager, Todesstrafe. Die jungen Mädchen und Frauen waren im wahrsten Sinne des Wortes Sklavinnen in deutschen Haushalten - nicht die "hilfreichen Geister aus dem Osten".

In ihren Erinnerungen berichten ehemalige Zwangsarbeiterinnen von zahlreichen Demütigungen und Misshandlungen durch ihre "Herrinnen". Es muss davon ausgegangen werden, dass viele Hausfrauen der NS-Propaganda folgten, die jeden menschlich-freundschaftlichen Kontakt zu den "fremdrassigen" Frauen verbot. Sie missbrauchten ihre Macht und verhielten sich menschenverachtend.

Die ehemalige Zwangsarbeiterin Maria P., Jahrgang 1935, erinnert sich an ihre "Herrin": "Die Frau aber war hysterisch und böse. Jedesmal wenn es einen Luftangriff gab, aus Angst und Wut, dass ihrem Mann etwas zustoßen könnte, bekam ich Schläge. Ich wurde oft misshandelt…Ich musste jeden Tag weiße Handschuhe waschen…Sie zog sie an und überprüfte an den Möbeln, ob alles richtig abgestaubt war. Weil ich noch ein Kind von kaum 14 Jahren war, hatte ich keine Erfahrung mit Hausarbeit. Wir hatten Bedienstete zu Hause. Dennoch musste ich fünf Zimmer putzen, vier Öfen heizen, zwei Kinder betreuen, im Garten arbeiten, jeden Morgen um 8 Uhr das Frühstück servieren. Ich war unterernährt und schwach."

Schlusswort

Es waren unsere Großmütter und Mütter, die das Dritte Reich selbst erleiden mussten, deren Denken und Fühlen von frühester Jugend an von der infamen nationalsozialistischen Propaganda geprägt wurde. Vieles von dem, was wir Töchter an unseren Müttern nicht verstanden haben und wogegen wir doch fühlten, uns wehren zu müssen, sind Überbleibsel aus jener Zeit. Wenn es stimmt, dass wir Töchter auch immer die Geschichte unserer Mütter aufarbeiten müssen, dann hilft es uns nichts, wir müssen uns mit den schaurigen, klebrig ekelhaften gedanklichen Überbleibseln aus jener Zeit auseinander setzen.

Unsere Mütter und Großmütter waren sowohl Opfer, als auch Täter.

Täter waren sie, wenn sie als Siedlerberaterinnen aktiv die NS-Besetzungs- und Rassepolitik unterstützten. Sie halfen aktiv mit, polnische Familien zu vertreiben.
Täter waren sie, wenn sie sich gegenüber den jungen, oft noch kindlichen osteuropäische Haushaltsgehilfinnen brutal und aggressiv zeigten.
Täter waren sie, wenn sie als Lehrerinnen das nationalsozialistische Weltbild lehrten, wenn sie junge Frauen zu dienenden Heimchen am Herd machten und auf ihre Mutterrolle reduzierten. Wie viele Frauen konnten ihre intellektuellen und künstlerischen Fähigkeiten nicht ausleben und entwickeln, weil äußere Hemmnisse und die in ihrem eigenen Kopf ihnen dies´ nicht gestatteten! "Hier formten deutsche Frauen deutsche Frauen".
Und Täter waren sie, wenn sie getrieben von Angst, Obrigkeitshörigkeit und Pflichtbesessenheit zu Denunziantinnen wurden. Denn Denunziation war ja schon fast Staatspflicht, "jedes gegen die Norm gerichtete Verhalten (musste) angezeigt werden." Es gibt meine Wissens nach keine Statistiken über Denunzianten, aus denen Geschlechts- oder Berufszugehörigkeit hervor geht. Aber es kann als sicher angenommen werden, dass es sehr oft die Nachbarin, die Ver- oder Untermieterin war, die wegen "Feindsenderhörens", "Rassenschande" oder "asozialem Verhaltens" Anzeige erstattete.
Es waren Frauen, die damit andere Frauen zu Opfern machten!

Gefangen in dieser engen Hausfrauen- und Mutterrolle konnten Frauen leicht zu Opfern werden und zwar dann, wenn sie als "asozial" denunziert wurden. Im Konzentrationslager Ravensbrück gab es neben den so genannten "fremdrassigen" und politischen Insassinnen auch eine Reihe Frauen, die wegen "asozialen Verhaltens" interniert waren.

Leider war eine Frau aus relativ nichtigen Gründen schon "asozial", beispielsweise, wenn sie in der Öffentlichkeit rauchte, "unflätige oder zersetzende Reden führte", ihre Kinder nicht streng erzog (diese mussten auf´s Wort gehorchen und durften auch keine schlechten Noten nach Hause bringen) oder wenn der Haushalt unordentlich geführt wurde. Wurde eine Hausfrau z. B.der liederlichen Haushaltsführung bezichtigt, kamen die nationalsozialistischen Blockwartinnen/Sozialarbeiterinnen und inspizierten den Haushalt. Waren die Vorhänge und Deckchen nicht frisch gestärkt und blütenweiß, oder fanden sich "Staubmäuse" unterm Bett, (oder waren die Inspizierenden besonders bösartig,) führte das zu einer negativen Beurteilung.

Warten auf's MutterkreuzBesonders prekär wurde die Situation, wenn eine Frau beispielsweise vier Kinder hatte, eigentlich das Mutterkreuz hätte bekommen müssen, aber als "asozial" eingestuft wurde. Liederliche Haushaltsführung konnte zur Zwangssterilisation führen! (Vielleicht ist vor diesem historischen Hintergrund die "typisch deutsche" Putzsucht unserer Mütter besser verständlich!)

Doch Ironie des Schicksals! - Schon während des Krieges mussten die Hausfrauen erkennen, dass ihre Arbeit gesellschaftlich nicht geschätzt wurde und dass Ideologie und Kriegswirklichkeit weit auseinander klafften. Sie mussten zusehen, wie ihr Wirkungskreis zu Hause zunehmend eingeschränkt wurde, wie ihr Heim zusehends leerer wurde. Die Kinder waren im BDM (Bund deutscher Mädels) oder in der HJ (Hitlerjugend), der Mann auf Parteiversammlungen und später dann an der Front. Viele Frauen mussten - besonders zu Kriegsende - in der Rüstungsindustrie arbeiten (bis zu 56 Stunden in der Woche), um Hitler´s Kriegsmaschinerie am Laufen zu halten.

Und viele Frauen, die zunächst unfreiwillig in die außerhäusliche Berufstätigkeit gezwungen wurden, fanden Gefallen daran und erkannten - dann besonders in der Nachkriegszeit - über wie viele außerhäusliche Fähigkeiten sie auf einmal verfügten, wenn es galt, ihre Familien (ohne männlichen Ernährer) durchzubringen. Viele zeigten nicht die geringste Neigung - auch als Ihre Männer von der Front oder aus Gefangenschaft zurückgekehrt waren - freiwillig wieder an Heim und Herd zurück zu kehren.

Neutraubling, Dezember 2000 (überarbeitet im März 2007)
Der Originaltext ist mit Quellenangaben und einer Liste der verwendeten Literatur versehen.


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