Thyra Thorn
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Die zwei Alten im Wald / Two Old People in the Forest
2008 / Öl auf Karton, 50 x 70 cm


Die Ameise / The Ant - 2008 / Öl auf Karton, 50 x 70 cm


Bockfieber / Ram Fever - 2008 / Öl auf Karton, 50 x 70 cm

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Konzept zur Ausstellung "Die krokodilsköpfige Schwiegermutter" im Mai 2009
1. Leseprobe:

...Empört springen sie auf, wischen sie an sich herum und versuchen die halbgefressenen - und die bereits verdauten - Brombeeren von ihren beigen Kleidern zu entfernen. Die Empörung schlägt in ein jähes beiderseitiges Erschrecken um, denn unversehens stehen sich die beiden Frauen Auge in Auge gegenüber, nur einen Meter Brombeergestrüpp zwischen sich. Keine erinnert sich mehr an das tröstliche Gefühl der letzten Nacht, an die Geborgenheit, die nur eine gleich klingende verwandte Seele einem geben kann. Jetzt ist es Tag und den wird nur eine erleben.

Mit überraschender Kraft und Schnelligkeit springt die alte Frau nach vorne, lässt sich durch keine Ranken hindern und schlägt mit aller Kraft ihrer Gegnerin die geballte Faust ins Gesicht. Diese - völlig verdutzt- fällt nach hinten und schlägt mit dem Hinterkopf auf einen Stein auf. Die immer noch verdutzten Augen blicken sterbend in das Stück Morgenhimmel, das die Ranken ihr frei lassen, aber nicht mehr lange, die Brombeerranken wachsen in jeder Minute ein bisschen und schon am Ende des nächsten Tages wird der Körper der Frau völlig bedeckt sein vom dornigem Rankengewirr und reifenden Beeren.

Schon krabbelt die erste Ameise über den blanken Spiegel ihrer bewegungslosen Pupille. Der alten Frau ist das egal, sie hat ihre Konkurrentin schon vergessen. Vielleicht hat sie auch gar nicht wahrgenommen, was vor ein paar Minuten passiert war, und das sie es war, die getötet hat. Es war eine andere Frau, die es für sie getan hat, das, was notwendig war, was getan werden musste.

Da ist sie schnell im Abwälzen von Schuld Sie, die das Wort Schuld so schnell und so gern in den Mund nimmt. Die gar nicht genug bekommen kann von dem süßlichen, bitter giftigen Geschmack dieses Wortes auf ihrer dünnen spitzten Zunge. Die sich berauscht an dem ekstatischen Gefühl, dass ihre moralische Überlegenheit ihr bereitet, dem Kitzel zwischen ihren Beinen, wenn sie die Schuld bei anderen ausmacht. Kaum konnte sie ein Stöhnen unterdrücken vor lauter Lust, wenn sie mit den anderen beigen Frauen aus ihrem Dorf die Schuld der anderen beredete. Sie ausbreitete vor den Beigen, deren Augen genauso begehrlich und dann befriedigt glänzten, wenn Schuld erkannt, der Verstoß gegen die Moral bis ins kleinste Detail besprochen und ausgebreitet wurde. "Wollen wir diese Lust mit unserem Pfarrer teilen", seufzten sie dann "und beten?" ...

2. Leseprobe:

...Sie geht schnell, der Weg ist nicht mehr so steil, fast eben auf dem steinernen Hochplateau, und es dämmert bereits. Ein weiterer Tag ist an seinem Ende. In dem schwindenden Licht der blauen Stunde, der Stunde zwischen Tag und Nacht, kann sie mit ihren Augen, deren Pupillen schon der graue Star umkreist, nicht gut sehen und stolpert über das braunschwarz behaarte Bein eines Steinbocks.

Der Steinbock liegt mit verdrehten Gliedern am Wegesrand, in dessen Brustkorb klafft ein blutiges Loch. Das Tier ist tot, waidmännisch erlegt und unter ihm sein Mörder, auch tot. Gestorben an der Aufregung und Freude über den gelungenen Schuss, am Herzinfarkt, am Bockfieber. Da liegt er nun, der Jägersmann, und zwischen seinen weißen Lippen lugt die bläuliche Zunge hervor, so wie beim Steinbock auch.

Die alte Frau ist ärgerlich, weil der Mann ohne ihr Zutun gestorben ist und gibt der Leiche einen Tritt. Aber seine weißen Lippen bleiben trotzdem zu einem glückseligen Lächeln verzogen...


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