Thyra Thorn
Home Biographie
previous page Werke / works X next page


Krokodil - 2006 / Öl auf Nessel, 60 x 120 cm


3 Männer zum Frühstück
2006 / Öl auf Nessel, 120 x 100 cm


Dancing on Stage
2006 / oil on nettle, 80 x 60 cm

« previous artist | ShopArt homemoreweiterartists A - Z | next artist »

Aus dem Leben der Krokodilsköpfigen:

„Männer liegen mir zu Füßen. Das ist so. Wo ich auch gehe und stehe, sie liegen um meine Füße herum, oft in mehreren konzentrischen Kreisen- das Zentrum bin natürlich ich - und hindern mich am Weitergehen. Oder sie werfen sich mir jäh und unvermittelt vor meine Füße, so dass ich ins Stolpern komme. In jedem Fall aber mühsam über sie hinweg klettern muss.

Was sie genau wollen, ist mir (und ihnen) meist nicht ganz klar.
Sie erzählen von ihrer großen Zuneigung zu mir, ohne mich überhaupt zu kennen.
Sie fühlen sich von mir bezaubert und gefesselt und ich kann mich nicht erinnern, jemals mit ihnen geredet zu haben.
Sie schmachten und leiden und wissen gar nicht genau, was ihnen eigentlich fehlt.
Sie glauben an ein Bild von mir, das nur in ihrem eigenen Kopf existiert.
Sie träumen von der Verständnisvollen, von der Verzeihenden, von der Mütterlichen, von der Offenherzigen- oder Offenbusigen, oder was sonst noch so alles offen sein sollte an mir - keine Ahnung. Nur eines wissen sie. Es sollte früher oder später auf Sex und körperliche Zuneigung hinaus laufen. Das ist ihnen klar.
Mir auch.

Aber ich will sie nicht. Das also ist das Problem. Sei liegen überall herum. Sie stören, ich weiß gar nicht, wohin mit ihnen. All diese mehr oder weniger prächtigen Männerkörper. Es ist wie bei einem normalen Mord. Das Töten selber geht ja relativ schnell von der Hand, aber was macht man mit der Leiche, mit den Leichen? Das ist die eigentliche Arbeit, das lästige und spurlose Beseitigen und vor allem das Saubermachen hinterher. Ich putze nicht gerne.

Dafür liebe ich es zu kochen. Und neben den anthropologischen Büchern stehen jetzt die verschiedensten Kochbücher in meinen Regalen. Ich kann natürlich die meisten Rezepte auswendig, das sind nicht wenige. Einmal habe ich drei Monate lang jeden Tag ein anderes Rezept gekocht, ohne mich einmal zu wiederholen. Und da war ich 20 Jahre jünger, mittlerweile werde ich wahrscheinlich ein halbes Jahr kochen können, ohne ein Gericht zweimal auf den Tisch zu bringen. Aber manchmal bin ich ein bisschen einfallslos und die bunten Bilder helfen mir wieder auf die Sprünge. Oder ich zwinge mich, konsequent ein Kochbuch von vorn bis hinten durch zu kochen. Und dabei auch sehr merkwürdige Dinge zu probieren, wie Entenwurstpizza oder grünes Erbsenpüree mit Knoblauch. Aus „Born to cook 2“, bin ein bekennender Tim Mälzer Fan. Auf jeden Fall verwende ich nur noch edelste Zutaten.

Was mich zu den Männerhaufen zurückbringt. Sie versperren mittlerweile schon den Zugang zu unserer Haustür und in der Einfahrt liegen auch welche. Sie wollen nicht mehr weg. Schon öfters habe ich sie aufgefordert, heim zur Frau und den weinenden Kinder zu gehen, aber sie wollen nicht. Ihr Leben, sagen sie, wäre sinnlos ohne mich. Was mich ein wenig ärgert und ich habe sie als Sperrmüll bei der Gemeinde angemeldet, aber die nehmen sie nicht mit. Alles andere schon, alte Sofas, kaputte Sessel und sogar das alte Kinderfahrrad. Aber nicht die Männer, außerdem weinen sie so laut, das hört man selbst durch die dicken stählernen Wände der Sperrmüllcontainer - schauerlich. Mein Mann findet das auch unangenehm.

Ab und zu verliere ich die Geduld, werde richtig wütend und schreie sie an. Packe einen von ihnen und setzte ihn unsanft vor die Tür, nehme einen Gartenschlauch und schwemme ihn vom Vorplatz auf die Straße. Andere beraube ich mit ausgesuchten Beleidigungen ihrer Würde. Bei muslimischen Männern sage ich etwas Abfälliges über ihre Mütter, westlichen Männern dichte ich Versagen im Beruf an und prophezeie einen Karriereknick nach dem anderen. Wenn ich nicht genau weiß, in welche Kategorie ich einen einordnen soll, weise ich auf mangelnde Potenz hin. Werfe ihnen fehlende oder zu kleine Eier vor, wobei ich nicht genau weiß, wo da genau die Beleidigung sein soll. Wirkt aber. Sie beginnen zu welken. Die Augen werden trübe, die Unterlippe hängt herunter und die Arme baumeln an beiden Seiten nutzlos hin und her. Sie essen nichts mehr von den köstlichen Speisen, die ich ihnen koche. Was mich noch mehr ärgert. Werden dünner und dünner und beginnen, unangenehm zu riechen. Ihr Fleisch wird zäh und grobfaserig, und die feine Fettmarmorierung im Filet schwindet. Da hilft auch das tägliche Einmassieren feinster Kräuter nicht mehr. Wenn die Zutaten nicht erstklassig sind, braucht man gar nicht anfangen zu kochen. Also, ganz soweit darf man es nicht kommen lassen.

Daher sollten sie relativ zügig den Liebestod wählen! Ich erzähle ihnen, das sei die einzige Möglichkeit eins mit mir zu werden. Sich mit mir angesichts der Ewigkeit zu vermählen. Wenn sich ihre Körperzellen mit den meinen vereinen, würde keine Macht der Welt mehr uns trennen können und ihre Seelen würden den Reigen der Glückseligkeit mit der meinen tanzen. Die Liebe und die Liebe und die Liebe in Ewigkeit, Verschmelzen, Harmonie Einheit, Glück. Es genügt, einzelne Schlüsselwörter ihnen hinzuwerfen und sie legen Hand an sich und bringen sich um. Wenn sie reif sind. Wenn sie nervlich zerrüttet genug sind. Wenn die Sehnsucht sie lange genug gequält hat. Aber sie sterben glücklich, weil sie mir ja einen Liebesdienst erweisen. Dafür ehre ich sie - posthum. Greife auch zu den anthropologischen Büchern, nicht nur zu den Kochrezepten. Und nehme auf ihre Herkunft Rücksicht und auf ihren Kulturkreis.

R e z e p t e :

Der bayerische Jägersmann hatte zunächst so etwas Knackiges, doch bei näherem Hinschauen erwies sich sein Fleisch als zäh und faserig. Ein alter Bock, faselte vom Bockfieber, von geilen Böcken, dieses ganze Rustikale eben. Dabei überraschend charmant.
Sein Fleisch muss ich in Buttermilch beizen, damit es den strengen Beigeschmack verliert. All´das animalische Jollereidulljöh - Mindestens 24 Stunden.
Dann nehme ich sein Fleisch aus der Buttermilch, trockne es und spicke es mit geräucherten langen dünnen Speckstreifen. Wie gesagt, das wilde Saftige hatte er nur vorgetäuscht, jetzt muss ich erheblich nachhelfen - mit viel geräuchertem Speck. Damit er nicht fad wird.
Ganz scharf brate ich ihn mit gutbürgerlichen gelben Rüben, Zwiebeln, Lauch (oder „Booree“, wie Bayern sagen- er soll sich heimisch fühlen) an und lösche mit Brühe ab. Gebe Lorbeerblätter und Wacholderbeeren mit in die Soße, schiebe den Bräter in den Ofen und gare ihn ca. eineinhalb Stunden auf 180 Grad (Umluft) durch. Das Fleisch sollte wirklich durch sein und es braucht lange, bis man so einen zart bekommt. Aber es lohnt sich.
Die Soße schmecke ich mit Salz, Pfeffer, Paprika (den braucht´s eigentlich immer) ein paar Wildpreiselbeeren und ziemlich viel Champagner (nicht mit billigem Rotwein!) ab.

Ich kann auch charmant sein: Das französische Gockelchen
Der junge Franzose mit seinen weißen Schenkelchen. Die werden gleich zusammen mit klein geschnittenem Suppengemüse, Charlotten, Shitakepilzen und fünf Knoblauchzehen, Lorbeerblättern und Rosmarin in Wein eingelegt. Wie gesagt, eines meiner Lieblingsrezepte von Tim Mälzer: „Tims coq au vin“.
Über Nacht lasse ich Fleisch und Gemüse im Kühlschrank marinieren. Nehme am nächsten Tag die Keulen heraus, wälze sie in Mehl und brate sie von allen Seiten an. Wenn sie einigermaßen durch sind, nehme ich sie aus dem Bräter, stelle sie warm und brate das abgetropfte Gemüse an, füge etwas Tomatenmark hinzu und lege dann die angebratenen Keulen wieder oben drauf. Das Ganze fühle ich mit der Marinade auf und schiebe den Bräter für eine Stunde in den vor geheizten Backofen (Umluft 200 Grad). Wenn alles gut durchgegart ist, würze ich mit Salz, Pfeffer und Zucker nach. Reibe die Schalen zweier unbehandelter Limetten ab und stäube sie zusammen mit etwas Cayennepfeffer kurz vor dem Servieren über das Gericht. Dazu reiche ich frisches Baguette.
Es ist ein einfaches, aber geniales Gericht aus einem einfachen, jugendfrischen Franzosen, der noch nicht lange genug lebte, um irgendeine Art von Raffinesse zu entwickeln. Das Gericht wird ihm gerecht.

Der indische Philosoph
Einen älteren Inder zu ehren, ist natürlich schwieriger.
Den Inder habe ich lange beobachtet, wie er sich in der Männerschar tummelte. Allein ein Curry zu finden, das in der Zusammensetzung seinem vielschichtigen Charakter gerecht wurde, dauerte Tage. Mal war zuviel süßer Paprika dabei und dann wieder zuwenig Koriander. Den Anteil an Zimt halte ich aber trotzdem sehr klein, auch wenn er noch so nett ist, - der Inder- wir haben zwar Weihnachten, aber dieses Süßliche liegt mir nicht. Ihm zuliebe stelle ich schon meine Vorliebe für reinen neutralen Parboiled Reis zugunsten einer exotischen Basmati-Wildreismischung hintan. Und ich muss sehr viel mehr Chilischoten mitkochen lassen, als ihm entsprochen hätte.
Mit diesen ausgeglichenen, harmonischen Charakteren, die immer und ewig ganz im Hier und Jetzt ruhen, habe ich sowieso meine Schwierigkeiten. Die sind schnell zu langweilig und man muss eigentlich immer nachwürzen. Zur Abrundung des Geschmacks greife ich bisweilen zur im Asia -Supermarkt gekauften roten Currypaste. Im Umgang mit Indern bin ich nicht perfekt, das gebe ich zu.
Aber er hat die Leiden und Fährnisse des Samsara überwunden und verkraftet nun auch eine leicht unsachgemäße Behandlung. Und ich gebe mir schließlich Mühe! Mit der Zeit gelingt mir die Zubereitung von Exoten immer besser. Ich werde viel gelobt.


« previous artist | ShopArt homemoreweiterartists A - Z | next artist »